REITSCHULE
Die Reitschule des Schlosses Bechynì wurde 1776 von Simon Beer erbaut (Pläne unterzeichnet vom Maurerpolier Josef Fenk). Der einschiffige Bau war 88 m lang, 22 m breit und 18 m hoch. Ursprünglich hatte er ein Strohdach. Im Jahr 1812 wurde der große Raum dreigeteilt und die Funktion geändert. Der mittlere Teil diente weiterhin als Reitschule, die äußeren Räume wurden als Ställe sowie Wagenschuppen genutzt. Ursprünglich im Barockstil errichtet, wurde die Reitschule 1864 von Architekt Turek im neugotischen Stil umgebaut. Turek ließ 14 Stützpfeiler mit von Granitplatten abgedeckten Brüstungsmauerzacken anbringen. Innen wurde ein Kreuzgewölbe mit dorischen Säulen eingebaut.
 
Vor der Rekonstruktion in den Jahren 2000 – 2001 war noch der ursprüngliche barocke Dachstuhl vorhanden. In jedem Verbund war ein Dachbalken, der eine Bretterdecke mit Strohleim und Schilfrohr trug. Bei der Rekonstruktion wurde die Decke komplett entfernt und die nicht tragenden Balken wurden aus den Leersparren geschnitten. Zwischen die Dachbalken wurden Stichbalken eingesetzt. Beim Austausch der einzelnen Bauelemente wurden streng alle ursprünglichen Ausmaße eingehalten. Nur die ursprünglichen hölzernen Spannbalken, die mit der Zeit schon verfault waren, wurden durch Stahlzugstangen ersetzt.
Von außen zeigt sich die Rekonstruktion durch eine neue Fassade (im Jahr 2001 erhielt sie den Preis als „Fassade des Jahres“) und auch durch das Wappen. Dieses wurde vom akademischen Bildhauer Miloslav Koláø rekonstruiert (er stammt aus Bechynì und hat u. a. auch die Sgraffiti im Ballsaal der Prager Burg restauriert).
 
An der Westwand des Hauptsaals in der Reitschule befindet sich ein sehr interessantes Ausstellungsstück: das ursprüngliche Tor des Paar-Palais vom Schwarzenberger Platz in Wien. Das Palais wurde nach dem 1. Weltkrieg (um 1920) abgerissen und das Tor wurde mit dem Zug nach Böhmen gebracht. Ohne Aufmerksamkeit zu erregen, lag das mit 1738 datierte Tor ganze siebzig Jahre in einem Saal des Schlosses! Erst 2002 wurde das Tor herausgeholt und restauriert.